Studentenverbindungen auf der Wieden

Im Laufe der Zeit waren zahlreiche verschiedene Korporationen auf der Wieden ansässig. Bis heute befinden sich in diesem flächenmäßig kleinen Bezirk verhältnismäßig viele Verbindungen.
Aufgrund der teilweise mangelnden Akten- und Quellenlage ist wohl die eine oder andere Korporation leider in Vergessenheit geraten. Ein Anspruch auf Vollständigkeit kann diese Aufstellung daher nicht geben.

Korporationen, die früher einmal auf der Wieden ansässig waren

1877/78 entstand an der Realschule Waltergasse die pennale Burschenschaft „Frankonia“. Diese war streng „schönerianisch“, also großdeutsch ausgerichtet. „Frankonia“ existierte nur einige Jahre und besteht heute nicht mehr.


Einige Mitglieder dieser Pennalverbindung „Frankonia“ – durchwegs der Wiedner Oberrealschule entstammend – nahmen nach Matura ein Studium an Technische Hochschule auf. Dort gründeten sie 1880 die gleichnamige technisch-akademische Verbindung „Frankonia“, die ihr Kneiplokal in der Gastwirtschaft Goldenes Kreuz (Wien 4, Wiedner Hauptstraße 20) hatte. Ende des Sommersemester 1883 hatte diese „Frankonia“ aber ihren Betrieb bereits wieder eingestellt.


Um 1879/80 entstand am „Thekla-Gymnasium“ in der Ziegelofengasse die pennale Burschenschaft „Gothia“. Wahrscheinlich existierte sie bis in das Sommersemester 1893 und hatte engen Kontakt mit erstgenannter „Frankonia“.

Zur Schule: 1878 erfolgte die Entschließung zur Genehmigung eines Gymnasiums im vierten Bezirk. 1879 begann der Unterricht im Piaristenkollegium zu St. Thekla. Die Schule wurde später in „Elisabeth-Gymnasium“ umbenannt; heute ist sie das GRG Rainergasse im fünften Bezirk.

 

1896 bestand an der Realschule Waltergasse die pennale Burschenschaft „Hermanduria“. Die letzte Spur dieser Verbindung stammt aus dem Jahre 1905.


Im Dezember 1909 kam es auf der Wieden zur Gründung der katholischen Pennalie „Guelfia“ im Gasthaus Leber (Wien 4, Kleine Neugasse 5). Sie existiert heute noch im ersten Bezirk.


Die vor 1914 gegründete deutschvölkische Verbindung „Amelungia“ hatte teilweise ihren Sitz auf der Wieden. Sie bestand nur kurz.


1919 verkehrte die im Februar 1907 katholische Pennalie „Rhenania“ (teilweise mit „Herulia“) in einer Tagesheimstätte auf der Wieden. Allerdings nur kurz, da beide einen Aufschwung erlebten und es dort zu klein wurde. „Rhenania“ besteht bis heute und ist gegenwärtig im 10. Bezirk ansässig.


Die 1924 gegründete deutschvölkische Pennalie „Langobardia“ war zu dieser Zeit an der Bundesgewerbeschule IV nachgewiesen. Ihr weiterer Verbleib ist unbekannt.


Im Oktober 1924 wurde die katholische Pennalie „Austro-Germania“ gegründet. Ihr Keilgebiet erstreckte sich unter anderem auch auf Gymnasien und Realschulen im vierten Bezirk. Ihre offizielle Anschrift (allerdings nicht die Bude) im Jahr 1925 war mit Fleischmanngasse 4 genannt. Zwischen 1938 und 1945 gab es regelmäßige Treffen im Cafe „Schleger“ (Rubensgasse). Die Verbindung existiert mit dem Namen „Leopoldina“ im niederösterreichischen Gmünd.


Die im Juni 1925 gegründete katholische Pennalie „Saxo-Teutonia“ bezog im Laug des Jahres 1928 eine neue Bude in einem der Caritas gehörenden Haus in der Leibenfrostgasse 4 – 1. Stock. Dort blieb sie bis in das Sommersemester 1937. Die Korporation existiert gegenwärtig unter dem Namen „Merkenstein“ im niederösterreichischen Berndorf.


Die im August 1925 gegründete katholische Pennalie „Strudengau“ veranstaltete im März 1932 ihre Landesvaterkneipe im Gasthaus „Nagl“ (Argentinierstraße 8) Ob sie dort auch ihre Bude hatte, ist allerdings fraglich. „Strudengau“ bestand wahrscheinlich bis 1938; nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie nicht mehr reaktiviert.


Die katholische Pennalie „Walhalla“ wurde im Jänner 1928 gegründet. Ihre Anschrift lautete – wie die weiter unten erwähnte „Nibelungia“ – Kreuzherrengasse 1 (Pfarrhof St. Karl). „Walhalla“ war vermutlich schon 1933 wieder erloschen, die offizielle Vereinsauflösung erfolgte nach dem Einmarsch 1938.


Die im Jänner 1927 gegründete katholische Pennalie „Nibelungia“ hatte im September 1932 ihre Anschrift in der Kreuzherrengasse 1 (Pfarrhof St. Karl). Im selben Jahr 1932 musste sie allerdings sistieren und konnte nie wieder reaktiviert werden.

 

Im November 1930 wurde die katholische Pennalie „Festenburg“ gegründet. Sie siedelte sich circa 1932 im 4. und 5. Bezirk an. Ihre Bude war zwar vorerst noch im 5. Bezirk, größere Veranstaltungen fanden aber meist im Gasthaus Nagl (Argentinierstraße 8) statt.
Im Herbst 1934 fand die Verbindung eine neue Bude im Gasthaus „Fürnkranz“ (Starhemberggasse 9). Da der Budenwirt kurze Zeit später in ein neues Gasthaus übersiedelte, übersiedelte „Festenburg“ mit nach Ecke Viktorgasse / Weyringergasse 30a.
Die Verbindung wurde nach 1945 nicht mehr reaktiviert.


Im November 1920 wurde die katholische Pennalie „Normannia“ gegründet. Im Sommersemester 1933 zog sie in das Restaurant „Burgenkeller“ (Prinz Eugen Straße 76), wo sie bis 1936 verblieb. Gegenwärtig ist „Normannia“ in Ottakring beheimatet.


Im März 1928 wurde die katholische Pennalie „Rugia“ gegründet. Ab Juni 1935 hatte sie ihre Bude im Gasthaus „Zum Kürassier“ (Paniglgasse 17) bis spätestens Dezember 1935. Bereits 1937 fusionierte sie mit einer anderen katholischen Pennalie. Sie besteht heute nicht mehr.


Die 1908 gegründete katholische Hochschulverbindung „Aargau“ wurde nach dem Zweiten Weltkrieg wiederbelebt. Im August 1946 rekonstituierte sich die Aktivitas im Restaurant „Rieder“ bei der Paulanerkirche. Dieses Restaurant „Rieder“ war bis 1949 auch der Verbindungssitz. „Aargau“ ist heute im achten Bezirk ansässig.


Die katholische Pennalie „Vindobona“ wurde im August 1920 gegründet. Zur Unterscheidung zu einer späteren weiteren gleichnamigen Korporation wird auch als „Vindobona I“ bezeichnet. 1960 bezieht sie jedenfalls eine Bude in der Prinz-Eugen-Straße 54, 1972 erfolgt der Umzug in eine neue Bude in die Schelleingasse 41. 1985 erfolgt ein weiterer Umzug, diesmal weg vom vierten und hin in den achten Bezirk.


Die waffenstudentische akademische Turnerschaft „Danubo-Markomannia“ hat Vorläufer-Verbindungen ab Oktober 1860. In der heutigen Form ist sie im Herbst 1964 entstanden. Eine Zeit lang war sie in der Prinz Eugen Straße ansässig.

 

Ende der 1990er Jahre bzw. Anfang der 2000er Jahre war die Mittelschul-Verbindung für Mädchen namens „Justitia“ in der Blechturmgasse ansässig. Die Verbindung existiert mittlerweile nicht mehr.


Ein akademischer Club „Eunomia“ mit den Farben blau-silber-grün war ebenfalls eine Zeit lang auf der Wieden ansässig.

Korporationen, die gegenwärtig auf der Wieden ansässig sind

Am 27. April 1909 wurde die katholische Pennalie „Gothia“ im vierten Bezirk gegründet. Sie wechselte häufig ihre Bude, meistens Gasthäuser im vierten Bezirk. Im Sommer 1958 bezog sie eine Eigentumsbude in der Fleischmanngasse, wo sie noch heute ansässig ist.


Die katholische Pennalie „Herulia“ wurde im Jänner 1902 gegründet; sie ist die älteste heute noch bestehende katholische Mittelschul-Verbindung in Wien. Bereits im Jahr 1919 verkehrte sie (teilweise mit „Rhenania“) in einer Tagesheimstätte auf der Wieden. Allerdings nur kurz, da beide einen Aufschwung erlebten und es dort zu klein wurde.
Im Jahr 2000 konnte „Herulia“ einen Anteil am Haus Phorusgasse 14 erwerben.


Die im September 1920 gegründete Pennalie „Dürnstein“ vollzog Anfang der 1930er Jahre einen Budenwechsel: Sie zog in die Seisgasse beim Draschpark. 1932 musste allerdings der aktive Betrieb eingestellt werden. Reaktiviert wurde „Dürnstein“ im Jahr 1952. Nach einiger Zeit kam der Verbindungsbetrieb in ein gemeinsam mit einer „Edelweiß-Staffel“ benütztes Heim wieder in den vierten Bezirk(Argentinierstraße 7 / Souterrain). Seit Dezember 1960 hat „Dürnstein“ ihre eigene Bude in der Frankenberggasse 7.


Die im Juni 1925 gegründete katholische Mittelschul-Landsmannschaft „Tegetthoff“ befindet sich seit 1960 im vierten Bezirk. Von 1960 bis 1973 lag ihre Bude in der Waaggasse. Danach übersiedelte sie in das Souterrain in der Blechturmgasse 20, wo sie heute noch ihren Sitz hat.


Die waffenstudentische akademische Burschenschaft „Albia“ hat ihre Wurzeln im Jahr 1862. Seit Jahresbeginn 1961 besitzt sie ein eigenes Haus in der Johann Strauß Gasse 7.


Die katholische Pennalie „Liechtenstein“ (gegründet im November 1919) übersiedelte 1984 in die neue Bude Schaumburgergasse 17, wo sie heute noch ihren Sitz hat.


Die katholische österreichische Landsmannschaft „Carolina“ (gegründet 1936) ist in der Blechturmgasse ansässig, gleich neben der Mittelschul-Landsmannschaft „Tegetthoff“.


Im Haus Gußhausstraße (gleich hinter der Karlskirche) sitzen gleich vier Korporationen:

Die katholische österr. Landsmannschaft „Maximiliana“ (gegründet 1922), die katholische österr. Landsmanschaft „Leopoldina“, die christliche österr. Studentinnen-Verbindung „Elisabethina“ (gegründet 1991) sowie die gemischt-geschlechtliche kathol. Hochschulverbindung „Merkenstein“ (gegründet 2002).

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